Taz: FRITZ TIETZ über Nürnbergs Präsidenten

Alles, was nicht mit unseren Blauen zu tun hat
Antworten
Benutzeravatar
McVillager
Kickers-Fan
Beiträge: 2959
Registriert: Dienstag 26. August 2003, 09:30
Wohnort: Königshofen
Kontaktdaten:

Taz: FRITZ TIETZ über Nürnbergs Präsidenten

Beitrag von McVillager »

herr tietz macht einen weiten einwurf

FRITZ TIETZ über Nürnbergs Präsidenten

A wie Amokläufer

Fritz Tietz ist 44 Jahre alt, lebt als Nachfahre ostpreußischer Einwanderer in der Nordheide und
treibt gelegentlich Sport.

Er habe daheim eine Pistole samt Waffenschein und würde einigen seiner Spieler am liebsten das Hirn
auspusten. So outete sich, laut Nürnberger Abendzeitung, nach der 1:2-Niederlage seines 1. FC
Nürnberg letztes Wochenende gegen Lübeck der Teppichhändler und Club-Präsident Michael A. Roth
als potenzieller Serienmörder. Zugleich wurden so auch die Spekulationen über die Bedeutung des
Mittelinitials A. in Roths Namen neu entfacht. Ging man bisher mehrheitlich davon aus, dass das A für
"Affenarsch" stehe, gehen nun die Mutmaßungen verstärkt auch in Richtung "Amokläufer". Aber muss
einer, auch wenn er mutmaßlich so heißt, automatisch gleich ein Amokläufer sein? Mitnichten. Die
Techniken auch dieser Sportart müssen zunächst gründlich erlernt sein. Nur ständiges Training
garantiert den Erfolg. Deshalb gilt für jeden, der mal so richtig ausrasten will: Prüfe dich aufrichtig, bevor
du dich für die Disziplin Amoklauf entscheidest. Teste zuvor und anhand von sechs Punkten deine
Eignung:

1. Bist du überhaupt ein potenzieller Amokläufer? Also ein bislang weitgehend unbescholtener Anhänger
eines allenfalls zweitklassigen Fußballvereins mit Hang zur dritten Liga? Neigst du schon nach sechs
sieglosen Spielen deines Vereins in Serie zum Jähzorn? Bist du Präsident des 1. FC Nürnberg?

2. Hast du ein redliches Motiv? Bedenke: Amokläufe zeichnen sich in der Regel durch große
Sinnlosigkeit aus. Nicht mal sechzig aufeinander folgende Niederlagen deines Vereins dürften demnach
ein Grund sein. Niemand darf verstehen, warum du meuchelst. Am wenigsten du selbst.

3. Wähle die rechte Tatzeit! Beachte: Mit einem Amoklauf an einem Spieltag erregtest du das meiste
Aufsehen - das geringste übrigens an einem Dienstag in der Sommerpause. Plane also am besten für
ein ausverkauftes Heimspiel. Nie jedoch vor dem Anpfiff zuschlagen. Falls nämlich deine Opfer, anders
als vom Stadionsprecher angekündigt, gar nicht auflaufen und du selbst nur blutbesudelt auf der Tribüne
hockst, könntest du auffliegen bevor deine Opfer in der Kabine verblutet sind. Schreite bzw. laufe aber
auch nicht so spät zur Tat, dass die Medien keine Chance mehr haben, noch am Abend ausführlich zu
berichten.

4. Wie stehts um die körperliche Fitness? Glaube nicht, deine Opfer mal eben "mit links" erledigen zu
können. So ein Massaker gestaltet sich manchmal anstrengender, als man denkt. Vor allem: Schnell
musst du sein. Unterschätze nicht das Fluchttempo deiner Opfer, Angst macht schließlich Beine. Den
100-Meter-Amoklauf solltest du deshalb in wenigstens 13 Sekunden bewältigen.

5. Benutzt du das richtige Gerät? Bei aller Effektivität einer Pistole, bedenke: sie macht einen gewissen
Lärm, der möglicherweise die Gästemannschaft und die Schiris in den Kabinen nebenan ärgert. Aber
Ärger, vor allem mit den Schiris, willst du ja wohl, erst recht vor Heimspielen, vermeiden. Bleiben
eigentlich nur lautlosere Mordsgeräte - wie vielleicht das Teppichmesser, der Teppichkleber oder der
Teppichklopfer. Falls es aber unbedingt die Pistole sein muss, vorher prüfen: Ist der Waffenschein noch
gültig?

6. Der Selbstmord. Nicht selten fallen Amokläufer danach in ein seelisches Tief und vergessen, dass zu
einem ordentlichen Amoklauf auch der Selbstmord gehört. Ja, so viel Schneid musst du schon
aufbringen. Zumal es dir hinterher eine Menge Probleme erspart - denke nur an die lästigen Einladungen
zu Kerner, Beckmann und die vielen Sportsendungen in den Dritten. Wage also den Amoklauf nur, wenn
du gegen dich selbst ebenso beherzt Hand anzulegen bereit bist. Nicht dass am Ende ausgerechnet du
deinen Amoklauf vergeigst und dann was sagen musst. Nämlich: "Dumm gelaufen!"

taz Nr. 7177 vom 9.10.2003, Seite 19, 135 Zeilen (Kommentar), FRITZ TIETZ,
Wem die Scheiße bis zum Hals steht sollte den Kopf nicht hängen lassen!

Die Kickersnews: http://www.kickersnews.de" onclick="window.open(this.href);return false;
Das Kickersarchiv: http://www.kickersarchiv.de" onclick="window.open(this.href);return false;

Bild
Antworten