StN: “Wir müssen uns abheben durch Exklusivität”
Verfasst: Freitag 24. Februar 2006, 09:31
Trainer Robin Dutt möchte mithelfen, der Marke Kickers mehr Glanz zu verleihen - Vorbild SC Freiburg
Stuttgart - Wenn keine Wetterkapriolen dazwischenkommen, feiern die Stuttgarter Kickers am morgigen Samstag (14.30 Uhr/Gazistadion) gegen den VfR Aalen ihre Regionalliga-Premiere 2006. “Wir wollen drei, vier Plätze nach oben rücken”, sagt Trainer Robin Dutt zur Zielsetzung.
Herr Dutt, sind Sie sehr froh, dass es am Samstag gegen Aalen endlich losgeht?
Ich hätte gerne schon letzte Woche gespielt. Aber bevor eine Partie in Glücksspiel ausartet, wie die DFB-Pokal-Begegnung FC St. Pauli gegen Werder Bremen, ist mir ein Ausfall lieber.
Konnten Sie die Zeit nutzen, um am neuen 3-5-2-System zu feilen?
Es ist ja gar nicht sicher, dass wir mit diesem System künftig immer spielen werden. Grundsätzlich muss eine Mannschaft zumindest zwei Spielsysteme beherrschen.
Sie galten als absoluter Verfechter des 4-4-2-Systems. Was war für Sie der Anlass, sich etwas Neues auszudenken?
Das 4-4-2-System ist in der Tat mein Lieblingssystem. Aber ich muss auch schauen, wie mein Kader zusammengesetzt ist. Und bei uns herrscht nun einmal ein Überangebot an variabel einsetzbaren Mittelfeldspielern und es gibt eine kleine Auswahl an Verteidigern und Stürmern.
Mussten Sie sich nicht ein paar geringschätzige Bemerkungen wie: “Zurück zum Steinzeitfußball” anhören?
Modern ist doch das System, das Erfolg hat. Griechenland ist mit einem Libero, der 20 Meter hinter der Abwehr spielte, Europameister geworden. Eine Zeit lang war es doch einfach nur hipp, dem 4-4-2-System hinterherzurennen. Man muss aber flexibel sein. Fußball ist ein Strategiespiel, in dem man den Gegner ständig zu einer Denksportaufgabe zwingen muss. Nur so hat man die Chance, nicht nur auf die Qualität der Einzelspieler angewiesen zu sein, um ein besser besetztes Team zu schlagen.
Es gibt also Hoffnung, dass die Kickers der TSG Hoffenheim eine lange Nase drehen?
Warum nicht? Ein Spieler, der zehnmal so viel verdient wie ein anderer, ist nicht automatisch zehnmal so gut wie dieser. Dafür lastet ein enormer Erwartungsdruck auf Teams wie der TSG Hoffenheim. Kritik wird schneller laut. Unter diesem Aspekt ist der Kollege Köstner (Anm. d. Red.: Hoffenheims Trainer) nicht zu beneiden. Andererseits würde ich auch gerne einmal in seine Situation kommen.
Laut Präsidium und Aufsichtsrat werden Sie in der neuen Saison eine Kickers-Mannschaft trainieren, mit der das Ziel Zweitligaaufstieg ausgegeben werden kann.
Ich bin der Erste, der sich freut, wenn die Zielsetzung aggressiver formuliert werden kann. Und ich traue es den Entscheidungsträgern auch zu, die finanziellen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Unser Kader für die neue Runde steht zu 90 Prozent. Drei Top-Spieler, keine Absahner, sollen hinzukommen - aber da brauchen wir Geduld. Zur Not haben wir Zeit bis zum 31. August.
Die Chefetage der Blauen arbeitet an neuen Konzepten. Wo müssen Ihrer Meinung nach die Schwerpunkte liegen?
Vor kurzem absolvierten wir ein Showtraining in Leonberg. Dort stand danach in der Zeitung: Der blaue Adel gab sich die Ehre. Das zeigt: Obwohl es etwas angestaubt klingt und trotz aller Turbulenzen, hat sich dieses Markenzeichen gehalten bis heute. Und dieser Marke Kickers müssen wir wieder mehr Glanz verleihen. Die Blauen müssen sich abheben durch hautnahes Erleben und vor allem durch Exklusivität. Dazu gehören eine Top-Ausbildung in der Jugend, ein hervorragender Service in verschiedensten Bereichen - das sind die Pfunde, mit denen die Stuttgarter Kickers wuchern müssen.
Eine Herausforderung für einen Club, der . . .
. . . von der Hand in den Mund lebt und keine Rücklagen hat. Stimmt schon. Aber unter genau diesen Rahmenbedingungen haben wir in den vergangenen zwei Jahren schon viel erreicht.
Letztendlich steht und fällt doch alles mit dem sportlichen Erfolg der Regionalligaelf.
Keine Frage, aber glauben Sie, in der zweiten Liga wäre plötzlich alles besser? Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns dort häufig die Probleme der Regionalliga zurückwünschen würden. Was ich damit sagen will: Man muss auf dem Weg nach oben auch etwas hinterlassen.
Wie der SC Freiburg?
Zum Beispiel. Dort wird auch ein Abstieg aus der Bundesliga in Kauf genommen und in ein Jugendinternat, in Trainingsplätze, in die gesamte Infrastruktur investiert. Andere Vereine machen diesbezüglich rein gar nichts.
Was machen die Kickers in der Rückrunde?
Sich möglichst noch drei, vier Plätze nach oben verbessern. Wir haben die beste Ausgangsposition seit dem Abstieg aus der zweiten Liga.
Fragen von Jürgen Frey
Stuttgarter Nachrichten
Stuttgart - Wenn keine Wetterkapriolen dazwischenkommen, feiern die Stuttgarter Kickers am morgigen Samstag (14.30 Uhr/Gazistadion) gegen den VfR Aalen ihre Regionalliga-Premiere 2006. “Wir wollen drei, vier Plätze nach oben rücken”, sagt Trainer Robin Dutt zur Zielsetzung.
Herr Dutt, sind Sie sehr froh, dass es am Samstag gegen Aalen endlich losgeht?
Ich hätte gerne schon letzte Woche gespielt. Aber bevor eine Partie in Glücksspiel ausartet, wie die DFB-Pokal-Begegnung FC St. Pauli gegen Werder Bremen, ist mir ein Ausfall lieber.
Konnten Sie die Zeit nutzen, um am neuen 3-5-2-System zu feilen?
Es ist ja gar nicht sicher, dass wir mit diesem System künftig immer spielen werden. Grundsätzlich muss eine Mannschaft zumindest zwei Spielsysteme beherrschen.
Sie galten als absoluter Verfechter des 4-4-2-Systems. Was war für Sie der Anlass, sich etwas Neues auszudenken?
Das 4-4-2-System ist in der Tat mein Lieblingssystem. Aber ich muss auch schauen, wie mein Kader zusammengesetzt ist. Und bei uns herrscht nun einmal ein Überangebot an variabel einsetzbaren Mittelfeldspielern und es gibt eine kleine Auswahl an Verteidigern und Stürmern.
Mussten Sie sich nicht ein paar geringschätzige Bemerkungen wie: “Zurück zum Steinzeitfußball” anhören?
Modern ist doch das System, das Erfolg hat. Griechenland ist mit einem Libero, der 20 Meter hinter der Abwehr spielte, Europameister geworden. Eine Zeit lang war es doch einfach nur hipp, dem 4-4-2-System hinterherzurennen. Man muss aber flexibel sein. Fußball ist ein Strategiespiel, in dem man den Gegner ständig zu einer Denksportaufgabe zwingen muss. Nur so hat man die Chance, nicht nur auf die Qualität der Einzelspieler angewiesen zu sein, um ein besser besetztes Team zu schlagen.
Es gibt also Hoffnung, dass die Kickers der TSG Hoffenheim eine lange Nase drehen?
Warum nicht? Ein Spieler, der zehnmal so viel verdient wie ein anderer, ist nicht automatisch zehnmal so gut wie dieser. Dafür lastet ein enormer Erwartungsdruck auf Teams wie der TSG Hoffenheim. Kritik wird schneller laut. Unter diesem Aspekt ist der Kollege Köstner (Anm. d. Red.: Hoffenheims Trainer) nicht zu beneiden. Andererseits würde ich auch gerne einmal in seine Situation kommen.
Laut Präsidium und Aufsichtsrat werden Sie in der neuen Saison eine Kickers-Mannschaft trainieren, mit der das Ziel Zweitligaaufstieg ausgegeben werden kann.
Ich bin der Erste, der sich freut, wenn die Zielsetzung aggressiver formuliert werden kann. Und ich traue es den Entscheidungsträgern auch zu, die finanziellen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Unser Kader für die neue Runde steht zu 90 Prozent. Drei Top-Spieler, keine Absahner, sollen hinzukommen - aber da brauchen wir Geduld. Zur Not haben wir Zeit bis zum 31. August.
Die Chefetage der Blauen arbeitet an neuen Konzepten. Wo müssen Ihrer Meinung nach die Schwerpunkte liegen?
Vor kurzem absolvierten wir ein Showtraining in Leonberg. Dort stand danach in der Zeitung: Der blaue Adel gab sich die Ehre. Das zeigt: Obwohl es etwas angestaubt klingt und trotz aller Turbulenzen, hat sich dieses Markenzeichen gehalten bis heute. Und dieser Marke Kickers müssen wir wieder mehr Glanz verleihen. Die Blauen müssen sich abheben durch hautnahes Erleben und vor allem durch Exklusivität. Dazu gehören eine Top-Ausbildung in der Jugend, ein hervorragender Service in verschiedensten Bereichen - das sind die Pfunde, mit denen die Stuttgarter Kickers wuchern müssen.
Eine Herausforderung für einen Club, der . . .
. . . von der Hand in den Mund lebt und keine Rücklagen hat. Stimmt schon. Aber unter genau diesen Rahmenbedingungen haben wir in den vergangenen zwei Jahren schon viel erreicht.
Letztendlich steht und fällt doch alles mit dem sportlichen Erfolg der Regionalligaelf.
Keine Frage, aber glauben Sie, in der zweiten Liga wäre plötzlich alles besser? Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns dort häufig die Probleme der Regionalliga zurückwünschen würden. Was ich damit sagen will: Man muss auf dem Weg nach oben auch etwas hinterlassen.
Wie der SC Freiburg?
Zum Beispiel. Dort wird auch ein Abstieg aus der Bundesliga in Kauf genommen und in ein Jugendinternat, in Trainingsplätze, in die gesamte Infrastruktur investiert. Andere Vereine machen diesbezüglich rein gar nichts.
Was machen die Kickers in der Rückrunde?
Sich möglichst noch drei, vier Plätze nach oben verbessern. Wir haben die beste Ausgangsposition seit dem Abstieg aus der zweiten Liga.
Fragen von Jürgen Frey
Stuttgarter Nachrichten