spiegel.de: REGIONALLIGA-VORSCHAU

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Ralphonso
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REGIONALLIGA-VORSCHAU

Rangnick und die Totenköpfe

Von Mike Glindmeier

Morgen starten die Regionalligen in die neue Saison. Während im Süden ein Aufsteiger bereits festzustehen scheint, streiten im Norden ein halbes Dutzend Clubs um den Aufstieg. Mit dabei ist auch der FC St. Pauli, der sich mit einem Angreifer aus der Bundesliga verstärkt hat.

Hamburg - Zwei Ligen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In der Regionalliga Süd regiert in der kommenden Saison Ralf Rangnick. Ausgerüstet mit einem Millionenetat, soll der ehemalige Schalke-Trainer die TSG Hoffenheim in die Zweite Liga führen. Das zumindest ist das kurzfristige Ziel des Clubbosses und SAP-Millionärs Dietmar Hopp. TSG-Geschäftsführer Jochen Rotthaus wiegelt allerdings brachenüblich ab: "Wir haben nicht den Druck, schon in dieser Saison unbedingt hoch zu müssen."

Damit kann der Finanzexperte allerdings nur meinen, dass es finanziell nicht pressiert, sollte der Aufstieg noch nicht in dieser Spielzeit gelingen. Denn sowohl auf dem Trainer als auch auf dem Team liegen hohe Erwartungen - schon aufgrund der prominenten Neuzugänge. Von Zweitligist Hansa Rostock kam Verteidiger Dennis Lapaczinski, im Mittelfeld soll der Ex-Lauterer Jochen Seitz die Regie führen. Der Sturm bildet allerdings das Prunkstück der TSG: Von Hertha BSC kam Angriffshoffnung Sejad Salihovic. Flankiert wird der Ex-Berliner von Tomislav Maric (früher Wolfsburg, kam vom japanischen Club Urawa Red Diamonds) sowie Selim Teber, der bis 2005 beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag stand.

Dazu schuf der Verein mit der Verpflichtung des Hockey-Bundestrainers Bernhard Peters als Direktor für Sport- und Jugendförderung, den auch Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann gerne in seinem Stab gesehen hätte, schon jetzt erstklassige Strukturen. In spätestens fünf Jahren soll dann in Hoffenheim endlich die Bundesliga zu Gast sein. "Rangnick wird diese Vision mit Leben erfüllen", versicherte Rotthaus.

Die offizielle Etat- Rangliste führt derweil der 1. FC Saarbrücken mit 4,0 Millionen Euro an. Der Zweitliga-Absteiger gilt hinter Hoffenheim als größter Aspirant auf einen der beiden Aufstiegsplätze. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss es Trainer Michael Henke jedoch schnell gelingen, bei 15 Ab- und zwölf Neuzugängen ein schlagkräftiges Team zu formen. "Auf jeden Fall möchten wir so weit wie möglich vorne mitspielen", forderte der beim Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern glücklose Coach.

Unter den Trainern der Süd-Staffel gelten neben Hoffenheim und Saarbrücken außerdem der SV Wehen, die Stuttgarter Kickers mit ihrem Neuzugang und Vorjahres-Torschützenkönig Christian Okpala sowie der VfR Aalen und die Sportfreunde Siegen als Kandidaten für die vorderen Plätze.


Favoriten-Überschuss im Norden

Nicht ganz so eindeutig ist die Situation im Norden, wo ein halbes Dutzend Teams gleichauf liegen. Der FC St. Pauli, Dynamo Dresden, Fortuna Düsseldorf, Holstein Kiel, der VfB Lübeck und der VfL Osnabrück haben nach Meinung der 19 Regionalliga-Trainer gute Chancen, am Ende auf einem der beiden Aufstiegsplätze zu landen. "Das wird ganz eng. Bei einem Turnier würde man von einer 'Todes-Gruppe' sprechen", sagt Osnabrücks Coach Claus-Dieter Wollitz.

Bernard Dietz, neuer Trainer des Absteigers Rot-Weiß Ahlen, spricht von der "stärksten Regionalliga Nord aller Zeiten", Kollege Horst Wohlers von Borussia Mönchengladbach II von der "Hammer-Liga". Während die erfahrenen Trainer Wohlers und Dietz mit ihren Teams gegen den Abstieg kämpfen, schaut ein Branchenneuling nach oben: Auch wenn Lübecks Trainer Bernd Hollerbach bei seiner zweiten Trainerstation noch tief stapelt, erwarten sowohl die Fans als auch der ehrgeizige Sportdirektor Mathias Kampmann einen Platz in der Spitzengruppe.

"Wir wollen möglichst weit oben mitspielen", sagt Hollerbach, der vom Fußball-Verbandsligisten VfL 93 Hamburg an die Lohmühle gekommen ist. Dabei scheut der rustikale Verteidiger das Wort Aufstieg: "Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten anderer Drittligisten wie etwa Holstein Kiel oder FC St. Pauli und deshalb nur etwa 15 Spieler mit Regionalliga-Niveau", so der frühere Profi des FC St. Pauli.

In Hamburg dagegen haben die Verantwortlichen des FC St. Pauli die Zurückhaltung abgelegt. Nach dem Pokalerfolg der vergangenen Saison, als der Club erst im Halbfinale vom FC Bayern gestoppt wurde, hat sich der Verein wirtschaftlich konsolidiert. Im September spülen die Münchner eine weitere halbe Million Euro in die Kasse des Traditionsvereins, diesmal ist allerdings die erste Runde im DFB-Pokal der Grund.

Trotzdem haben die Verantwortlichen den Etat für die Mannschaft von rund 2,5 Millionen Euro kaum erhöht. Stürmer Felix Luz, der nach der abgelaufenen Saison mit Energie Cottbus und dem 1. FC Köln in Verbindung gebracht wurde, konnte gehalten werden. An seiner Seite soll in der kommenden Saison Daniel Stendel spielen. Der ehemalige Hamburger kehrt nach sieben Jahren von Bundesligist Hannover 96 zurück an die Elbe. "Wir wollen aufsteigen", lautet die Devise aller Beteiligten. Sowohl Trainer Andreas Bergmann als auch Sportdirektor Holger Stanislawski sowie Präsident Corny Littmann wissen, dass die ebenso anspruchsvollen wie treuen Fans nicht weiter in der dritten Liga Totenkopfflagge zeigen wollen.

Rechtzeitig zu den anstehenden Präsidiumswahlen im Herbst hat Littmann zudem verkündet, dass der Club mithilfe der Stadt das Millerntor-Stadion um- und gleichzeitig ausbauen wird. Ein finanzieller Kraftakt, der einen Aufstieg nahezu voraussetzt.
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