Agassi - Abschied in Tränen
Außenseiter Benjamin Becker hat den schwer angeschlagenen Andre Agassi in den verdienten Tennis-Ruhestand versetzt und mit seinem bisher größten Coup eine ganz große Karriere beendet. Zwei Jahrzehnte nach Agassis erstem Auftritt bei den US Open gewann der 25-Jährige mit 7:5, 6:7 (4:7), 6:4, 7:5.
Agassi versagte zunächst die tränenerstickte Stimme, als er sich an die fast 24 000 Zuschauer im Arthur-Ashe-Stadion wandte: "Die Anzeigetafel sagt: Ich habe verloren. Was sie nicht sagt, ist die Loyalität und die Großzügigkeit, die ich auf dem Platz gefühlt habe. Ich habe eine Inspiration gefunden. Ihr habt mir Eure Schulter zum Anlehnen gegeben, auch als ich ganz unten war", sagte Agassi. "Ich habe Euch während der vergangenen 21 Jahre gefunden und werde die Erinnerung an Euch für immer behalten."
Der 36-jährige Agassi wurde nach 1144 Profimatches mit Ovationen verabschiedet und hatte Tränen in den Augen. Der Ehemann der zuschauenden Steffi Graf holte acht Grand-Slam-Titel, 60 Turniersiege, drei Mal den Daviscup stand in 30 weiteren Finals - zuletzt vor einem Jahr bei den US Open, wo er Roger Federer unterlag. Wegen chronischer Rückenschmerzen konnte er in diesem Jahr nur wenig spielen und quälte sich auch gegen Becker.
McEnroe lobt Becker
Becker bestand seinen ersten Test im Arthur-Ashe-Stadion. Der mit nur vier Profisiegen ausgestattete Mettlacher, verglichen mit Agassis 870, hielt nach 0:40 und vier Breakbällen sein Service zum 2:1. Wie sein Namensvetter konnte er sich auf seinen mächtigen Aufschlag verlassen. "Er schlägt wie ein anderer Becker auf, den wir einst gesehen haben", lobte Ex-Star John McEnroe.
"Ich muss mich an die Atmosphäre gewöhnen und auf mein Tennis und meinen Plan konzentrieren. Es ist nur ein anderes Tennismatch", sagte Becker unmittelbar vor der Partie. Der unter Rückenschmerzen leidende Agassi konnte sich nach zwei harten Fünf-Satz-Matches nicht hundertprozentig bewegen und hatte sich vor Spielbeginn zufrieden über den zusätzlichen Tag Pause geäußert.
Doppelfehler zum Satzverlust
Nach seiner Kortison-Injektion hatte sich der zweimalige US-Open-Sieger zuletzt entzündungshemmende Mittel spritzen lassen und versuchte, schnelle Punkte über den Aufschlag zu machen. Ausgerechnet beim ersten Satzball für Becker leistete er sich einen Doppelfehler.
Doch Becker ließ Agassi zurück ins Spiel. Er riskierte mitunter mehr als nötig gegen Agassi, der oft das Gesicht verzog und offenbar Schmerzen hatte. Im Tiebreak unterliefen Becker zwei Doppelfehler zum überflüssigen Ausgleich. Er ließ sich davon aber nicht erschüttern und schaffte im dritten Durchgang gleich zwei Breaks zum 3:0.
"Er will zu seinen Bedingungen aufhören"
Doch im vierten Satz wirkte der Qualifikant bei seinem sechsten Match in New York nicht mehr so frisch, hatte Glück, dass Agassi einen Satzball ins Aus setzte. Prompt nutzte Becker, der sich immer wieder mit seinem Aufschlag rettete, seine erste Breakchance zum 6:5. Wenig später nutzte er mit einem As seinen ersten Matchball nach gut drei Stunden Spielzeit zum Erfolg. Sein nächster Gegner Roddick wurde einst von Beckers jetzigem Berater Tarik Benhabiles betreut und arbeitet nun mit Tennis-Idol Jimmy Connors zusammen.
Agassi schien sich im Verlauf der Partie zwar besser zu fühlen, sein Vater Mike hatte ihm aber geraten, nicht mehr gegen Becker anzutreten und seine Karriere sofort zu beenden. Die bald 50-jährige Martina Navratilova, die nach den US Open ebenfalls abtreten wird, äußerte Verständnis für Agassi: "Er will zu seinen Bedingungen aufhören. Man will nicht, dass der Körper einen im Stich lässt."
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Damit verliert die Sportwelt, nicht nur die Tenniswelt eine ganz ganz grosse Persönlichkeit. Sicherlich für Benjamin Becker eine zweifelhafte Ehre, diese grossartige Karriere zu beenden, aber wer das Spiel gegen Baghdatis gesehen hat, wusste schon, dass Agassi dieser Kraftakt in den Knochen stecken würde.
Agassi - Abschied in Tränen
- DirtyToby
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