Nach Rausch-Randale im Amselweg: Bürgermeister landet in der Ausnüchterungszelle
Anwohner riefen die Polizei - Verdacht auf Trunkenheitsfahrt
KÖNIGSBRONN. Ob die Sitzung des Gemeinderates gestern Abend vom Bürgermeister selbst oder von einem seiner Stellvertreter geleitet werden würde, war lange unklar: Gemeindeoberhaupt Michael Stütz hatte sich offiziell krank gemeldet und war aufgrund dessen nicht im Dienst — „die ganze Woche schon”, wie wir von einem Insider erfuhren.
Doch ob krank oder gesund - auf jeden Fall sehr öffentlichkeitswirksam präsent war der erste Repräsentant der Brenztopf-Gemeinde am Dienstag zu später Stunde im Königsbronner Wohnbezirk Töbele/Waldsiedlung und dort im Amselweg - allerdings zum Entsetzen vieler Bürger in äußerst unrühmlicher und negativer Weise.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich gestern die Nachricht, dass es sich bei dem von der Polizei zur Ausnüchterung mitgenommenen Randalierer um den Königsbronner Bürgermeister handelt. HZ-Informationen zufolge ist dem tatsächlich so. Eine offizielle Bestätigung durch Staatsanwaltschaft oder Polizei gab es gestern hierzu allerdings nicht, dies mit dem Hinweis auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte des Betroffenen. Fakt ist dennoch, und so haben wir es bereits gestern kurz in unserer Rubrik "Polizeinotizen" berichtet, dass Rausch-Randalierer Stütz am Dienstag kurz nach 22 Uhr im Amselweg weiter versuchte, in ein Haus zu gelangen, nachdem er dort Stunden vorher abgewiesen worden war. Anwohner hatten aufgrund des lautstark über die Stränge schlagenden nächtlichen Besuchers die Polizei gerufen und auch mitgeteilt, dass er gegen die Tür geschlagen und deren Glasfüllung eingeschlagen habe.
Vor Ort konnten sich die Beamten zudem des Eindrucks offenbar nicht erwehren, "dass der Angetrunkene mit seinem Pkw vorgefahren war". Jedenfalls wurde von der Polizei eine Blutentnahme angeordnet. Weiteren HZ-Informationen zufolge musste der 45-Jährige mitkommen und die Nacht in der Ausnüchterungszelle der Polizeidirektion Heidenheim verbringen. Welchen Promille-Wert die Blutuntersuchung ergeben hat? Auch dazu gab die Pressestelle der Polizei gestern keine Auskunft. Angeblich aber soll der Bürgermeister 1,5 Promille gehabt haben.
Im Königsbronner Rathaus herrschte gestern große Betroffenheit und Bestürzung, von Amts wegen gab es zu dem skandalösen Vorfall nur eine Auskunft: "Kein Kommentar".
Vor acht Jahren hatte Bürgermeister Michael Stütz schon einmal alkoholbedingt die Aufmerksamkeit der Ordnungshüter erregt. Im November 1998 war er nach einem Treffen mit Vereinsvorständen im Zanger Geflügelheim auf dem Nachhauseweg mit seinem Geländewagen auf einen "ordnungsgemäß am rechten Fahrbahnrand geparkten Lkw" gekracht, wobei er leichte Verletzungen erlitt und 90 000 DM Sachschaden entstand. Ein später beim Verursacher vorgenommener Atemalkoholtest hatte damals einen Wert von 1,7 Promille ergeben. Unter dem Titel "Gemeindeoberhaupt verursachte Unfall" berichtete die HZ auch damals über die Alkohol-Eskapade des Königsbronner Bürgermeisters.
Wie sehr der Stern des Michael Stütz, in Königsbronn hoffnungsvoll einst zum jüngsten Bürgermeister im ganzen Landkreis gekürt, mittlerweile gesunken ist, wurde im Frühjahr 2006 bei der BM-Wahl deutlich. Erst im zweiten Wahlgang gaben ihm die Bürger die erforderliche Stimmenmehrheit für eine dritte Amtsperiode. Wie es in Königsbronn an der Rathaus-Spitze nun weitergeht, ist derzeit noch völlig offen. Neben Strafverfahren wegen Trunkenheitsfahrt, Erregung öffentlichen Ärgernisses und möglicherweise Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung steht nun wohl auch die Frage eines Disziplinarverfahrens durch das Landratsamt/Regierungspräsidium im Raum.
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Bürgermeister randaliert
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