Management und Sport

Alles, was nicht mit unseren Blauen zu tun hat
Antworten
Benutzeravatar
Matze
Administrator / Moderator
Beiträge: 4613
Registriert: Dienstag 19. August 2003, 12:05
Wohnort: Stuttgart
Kontaktdaten:

Management und Sport

Beitrag von Matze »

Marketing - Sport lernt von der Wirtschaft: Erwin Staudt über Global Player, Branding und den »VfB Württemberg«

»Internet hat die Wirtschaftswelt revolutioniert«

VON VEIT MÜLLER

REUTLINGEN. Wer sind die wirklichen Global Players? Erwin Staudt nennt sie: Microsoft, Coca Cola oder McDonalds, »sie alle haben eins gemeinsam, sie haben eine Marke«. Und die ist überall auf der Welt gleich, jeder kennt sie. Aber es gibt noch einen weiteren Gobal Player, »und das ist der Fußball«, legt sich der Stuttgarter VfB-Präsident fest, der bei der Jahreshauptversammlung der Wirtschaftsorganisation ASU/BJU in Reutlingen über »Wirtschaft und Sport - was können wir voneinander lernen« sprach.

Und warum ist der Fußball ein Global Player? Überall auf der Welt sind die Regeln im Fußball gleich. Wenn, wie diese Woche international gespielt wird, steht der Betrieb in den nationalen Ligen still. Staudt: »Das ganze System wird stringent durchgeführt.« Wie die Fifa ihre Marke bei der WM in Deutschland durchgezogen habe, sei gigantisch gewesen. Selbst der Bäcker in einer schwäbischen Kleinstadt habe sofort eine Abmahnung erhalten, wenn er ohne die Lizenz der Fifa die »WM«-Brötchen verkauft habe.

Staudts Welt veränderte sich nach seinem Wechsel vom Wirtschaftsmanager zum Fußballpräsidenten gewaltig. Früher in seinem Unternehmen sei der Quartalsdruck der größte anzunehmende Druck gewesen. Doch das »war nur ein laues Lüftchen gegen das, was Sie hier erleben«. Dass er praktisch jeden Samstag so viel Druck ausgesetzt sei, damit habe er nicht gerechnet. Nicht zuletzt, weil auch hohe Summen im Spiel sind. Staudt nennt die wichtigsten Geldgeber im Fußball. Das ist an erster Stelle das Fernsehen, dann folgen Merchandising und Marketing und erst an dritter Stelle kommen die Zuschauer.

Der VfB erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 80 Millionen Euro. Mit der Champions League werden es 2007 sogar über 100 Millionen Euro sein. Um wirtschaftlich gut dazustehen, »achten wir darauf, dass wir maximal 50 Prozent an Personalausgaben aufwenden«.

Als Staudt 2003 zum VfB Stuttgart kam, war für ihn die erste Frage: Wie können wir die Erträge steigern? Denn »wir brauchen Erträge, um investieren zu können.« Eine Möglichkeit war das Marketing. »In den vergangenen vier Jahren konnten wir unsere Mitgliederzahlen von 7 500 auf 43 000 steigern«, erzählt Staudt. Der VfB sei heute keine Stuttgarter Veranstaltung, »er gehört ganz Württemberg«, und müsste deshalb genau genommen »VfB Württemberg« heißen. Was der Sport auch von der Wirtschaft gelernt habe, sei die Jugendarbeit. Jedes erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen stecke jedes Jahr fünf bis zehn Prozent seiner Investitionen in Forschung und Entwicklung. Das sei im Fußball nicht anders, wenn man erfolgreich sein wolle.

Sehr wichtig seien die modernen Medien. Staudt verweist dabei auf die Fankarte, das mobile Booking oder die VfB-Website mit einer Million Besucher pro Monat. Wie überhaupt das Internet die ganze Wirtschaftswelt revolutioniert habe. Inzwischen laufe ein Drittel des Merchandising-Geschäfts über das Internet. Wer da nicht mitmache, »der fährt bolzengerade gegen die Wand«. Wie im Sport müsse man in der Wirtschaft viel mehr Wert auf Teamarbeit legen. Jeder im Unternehmen müsse Teil des Teaming-Prozesses sein. Weil dieser Prozess in Deutschland nicht optimal verlaufe, entstünden der Wirtschaft jedes Jahr Verluste in Milliardenhöhe.

Quelle: Reutlinger Generalanzeiger (GEA)
Tobi78
Kickers-Fan
Beiträge: 5329
Registriert: Montag 14. August 2006, 13:43
Wohnort: Kraichgau

Beitrag von Tobi78 »

Die totale Kommerzialisierung wird demnach ein unabdingbarer Faktor im Fußball werden.
Das ist wohl kaum zu vermeiden, da muss man Staudt zustimmen. Umso verwunderlicher ist es doch, dass so viele Ex-Spieler ohne die erforderlichen Qualifikationen im Managementbereich in dieser "Branche" mitmischen.
Was diesen Punkt angeht ist der Fußball in Bezug auf Kommerzialisierung wesentlich weiter als in Bezug auf Professionalisierung des Managements. Da gibt es noch viele Reserven, nicht nur bei uns.....
Benutzeravatar
Soulfly
Kickers-Fan
Beiträge: 2331
Registriert: Dienstag 19. August 2003, 12:55
Wohnort: Kornwestheim

Beitrag von Soulfly »

Fussball funktioniert ohne Business.
Business funktioniert ohne Fussball.

Wie hat eine berühmte Fussballerpersönlichkeit mal gesagt
(mir ist gerade wirklich entfallen wer es war):
"Warum gehen Leute zum Fussball? Weil sie vorher nicht wissen
wie´s ausgeht!"
Und da ist was sehr wahres dran.
Aber genau an diesem Punkt dürfte das Business eigentlich überhaupt
kein Interesse haben; an Unbekanntem, nicht Kalkulierbarem, an ( ich
sag´s mal so deutlich) Willkürlichem.
Und der Fussball ist willkürlich, unberechenbar.
Deshalb halte von den Ausführungen Staudt´s auch überhaupt nichts.

Außerdem; der Fussball ist kein Global Player.
Fussball lebt erst dann richtig, wenn auf den aber-millionen Bolzplätzen
dieses schönen Planeten sich Jungs treffen, Taschen aufstellen und einer
ne Pille mitbringt.
Und das ist überhaupt nicht "global". Das ist direkt vor der Haustür.
Denn ohne die breite Begeisterung für den Fußballsport wäre das
Business überhaupt nichts.
Und ums mal auf den Punkt zu bringen:
Der allergrößte Kicker aller Zeiten ist mein Vater.
Ohne ihn würde ich heute nicht selbst die Kickstiefel schnüren und
wäre vermutlich niemals bei den Kickers gelandet.
Hold Your Fire
Antworten