Management und Sport
Verfasst: Mittwoch 21. November 2007, 14:42
Marketing - Sport lernt von der Wirtschaft: Erwin Staudt über Global Player, Branding und den »VfB Württemberg«
»Internet hat die Wirtschaftswelt revolutioniert«
VON VEIT MÜLLER
REUTLINGEN. Wer sind die wirklichen Global Players? Erwin Staudt nennt sie: Microsoft, Coca Cola oder McDonalds, »sie alle haben eins gemeinsam, sie haben eine Marke«. Und die ist überall auf der Welt gleich, jeder kennt sie. Aber es gibt noch einen weiteren Gobal Player, »und das ist der Fußball«, legt sich der Stuttgarter VfB-Präsident fest, der bei der Jahreshauptversammlung der Wirtschaftsorganisation ASU/BJU in Reutlingen über »Wirtschaft und Sport - was können wir voneinander lernen« sprach.
Und warum ist der Fußball ein Global Player? Überall auf der Welt sind die Regeln im Fußball gleich. Wenn, wie diese Woche international gespielt wird, steht der Betrieb in den nationalen Ligen still. Staudt: »Das ganze System wird stringent durchgeführt.« Wie die Fifa ihre Marke bei der WM in Deutschland durchgezogen habe, sei gigantisch gewesen. Selbst der Bäcker in einer schwäbischen Kleinstadt habe sofort eine Abmahnung erhalten, wenn er ohne die Lizenz der Fifa die »WM«-Brötchen verkauft habe.
Staudts Welt veränderte sich nach seinem Wechsel vom Wirtschaftsmanager zum Fußballpräsidenten gewaltig. Früher in seinem Unternehmen sei der Quartalsdruck der größte anzunehmende Druck gewesen. Doch das »war nur ein laues Lüftchen gegen das, was Sie hier erleben«. Dass er praktisch jeden Samstag so viel Druck ausgesetzt sei, damit habe er nicht gerechnet. Nicht zuletzt, weil auch hohe Summen im Spiel sind. Staudt nennt die wichtigsten Geldgeber im Fußball. Das ist an erster Stelle das Fernsehen, dann folgen Merchandising und Marketing und erst an dritter Stelle kommen die Zuschauer.
Der VfB erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 80 Millionen Euro. Mit der Champions League werden es 2007 sogar über 100 Millionen Euro sein. Um wirtschaftlich gut dazustehen, »achten wir darauf, dass wir maximal 50 Prozent an Personalausgaben aufwenden«.
Als Staudt 2003 zum VfB Stuttgart kam, war für ihn die erste Frage: Wie können wir die Erträge steigern? Denn »wir brauchen Erträge, um investieren zu können.« Eine Möglichkeit war das Marketing. »In den vergangenen vier Jahren konnten wir unsere Mitgliederzahlen von 7 500 auf 43 000 steigern«, erzählt Staudt. Der VfB sei heute keine Stuttgarter Veranstaltung, »er gehört ganz Württemberg«, und müsste deshalb genau genommen »VfB Württemberg« heißen. Was der Sport auch von der Wirtschaft gelernt habe, sei die Jugendarbeit. Jedes erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen stecke jedes Jahr fünf bis zehn Prozent seiner Investitionen in Forschung und Entwicklung. Das sei im Fußball nicht anders, wenn man erfolgreich sein wolle.
Sehr wichtig seien die modernen Medien. Staudt verweist dabei auf die Fankarte, das mobile Booking oder die VfB-Website mit einer Million Besucher pro Monat. Wie überhaupt das Internet die ganze Wirtschaftswelt revolutioniert habe. Inzwischen laufe ein Drittel des Merchandising-Geschäfts über das Internet. Wer da nicht mitmache, »der fährt bolzengerade gegen die Wand«. Wie im Sport müsse man in der Wirtschaft viel mehr Wert auf Teamarbeit legen. Jeder im Unternehmen müsse Teil des Teaming-Prozesses sein. Weil dieser Prozess in Deutschland nicht optimal verlaufe, entstünden der Wirtschaft jedes Jahr Verluste in Milliardenhöhe.
Quelle: Reutlinger Generalanzeiger (GEA)
»Internet hat die Wirtschaftswelt revolutioniert«
VON VEIT MÜLLER
REUTLINGEN. Wer sind die wirklichen Global Players? Erwin Staudt nennt sie: Microsoft, Coca Cola oder McDonalds, »sie alle haben eins gemeinsam, sie haben eine Marke«. Und die ist überall auf der Welt gleich, jeder kennt sie. Aber es gibt noch einen weiteren Gobal Player, »und das ist der Fußball«, legt sich der Stuttgarter VfB-Präsident fest, der bei der Jahreshauptversammlung der Wirtschaftsorganisation ASU/BJU in Reutlingen über »Wirtschaft und Sport - was können wir voneinander lernen« sprach.
Und warum ist der Fußball ein Global Player? Überall auf der Welt sind die Regeln im Fußball gleich. Wenn, wie diese Woche international gespielt wird, steht der Betrieb in den nationalen Ligen still. Staudt: »Das ganze System wird stringent durchgeführt.« Wie die Fifa ihre Marke bei der WM in Deutschland durchgezogen habe, sei gigantisch gewesen. Selbst der Bäcker in einer schwäbischen Kleinstadt habe sofort eine Abmahnung erhalten, wenn er ohne die Lizenz der Fifa die »WM«-Brötchen verkauft habe.
Staudts Welt veränderte sich nach seinem Wechsel vom Wirtschaftsmanager zum Fußballpräsidenten gewaltig. Früher in seinem Unternehmen sei der Quartalsdruck der größte anzunehmende Druck gewesen. Doch das »war nur ein laues Lüftchen gegen das, was Sie hier erleben«. Dass er praktisch jeden Samstag so viel Druck ausgesetzt sei, damit habe er nicht gerechnet. Nicht zuletzt, weil auch hohe Summen im Spiel sind. Staudt nennt die wichtigsten Geldgeber im Fußball. Das ist an erster Stelle das Fernsehen, dann folgen Merchandising und Marketing und erst an dritter Stelle kommen die Zuschauer.
Der VfB erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 80 Millionen Euro. Mit der Champions League werden es 2007 sogar über 100 Millionen Euro sein. Um wirtschaftlich gut dazustehen, »achten wir darauf, dass wir maximal 50 Prozent an Personalausgaben aufwenden«.
Als Staudt 2003 zum VfB Stuttgart kam, war für ihn die erste Frage: Wie können wir die Erträge steigern? Denn »wir brauchen Erträge, um investieren zu können.« Eine Möglichkeit war das Marketing. »In den vergangenen vier Jahren konnten wir unsere Mitgliederzahlen von 7 500 auf 43 000 steigern«, erzählt Staudt. Der VfB sei heute keine Stuttgarter Veranstaltung, »er gehört ganz Württemberg«, und müsste deshalb genau genommen »VfB Württemberg« heißen. Was der Sport auch von der Wirtschaft gelernt habe, sei die Jugendarbeit. Jedes erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen stecke jedes Jahr fünf bis zehn Prozent seiner Investitionen in Forschung und Entwicklung. Das sei im Fußball nicht anders, wenn man erfolgreich sein wolle.
Sehr wichtig seien die modernen Medien. Staudt verweist dabei auf die Fankarte, das mobile Booking oder die VfB-Website mit einer Million Besucher pro Monat. Wie überhaupt das Internet die ganze Wirtschaftswelt revolutioniert habe. Inzwischen laufe ein Drittel des Merchandising-Geschäfts über das Internet. Wer da nicht mitmache, »der fährt bolzengerade gegen die Wand«. Wie im Sport müsse man in der Wirtschaft viel mehr Wert auf Teamarbeit legen. Jeder im Unternehmen müsse Teil des Teaming-Prozesses sein. Weil dieser Prozess in Deutschland nicht optimal verlaufe, entstünden der Wirtschaft jedes Jahr Verluste in Milliardenhöhe.
Quelle: Reutlinger Generalanzeiger (GEA)