Ronny Kockel - Der erste deutsche Fußballprofi im Iran

Alles, was nicht mit unseren Blauen zu tun hat
Antworten
Benutzeravatar
Jürgen K.
Kickers-Fan
Beiträge: 1840
Registriert: Mittwoch 20. August 2003, 10:08
Wohnort: Weil der Stadt
Kontaktdaten:

Ronny Kockel - Der erste deutsche Fußballprofi im Iran

Beitrag von Jürgen K. »

von Frank Ketterer

Torwart Ronny Kockel ist der erste deutsche Fußballprofi, der im Iran spielt. Dort muss er auf viel mehr aufpassen als nur auf die Schüsse der Stürmer. Interviews gibt er nur vor Zeugen.


Die Frage, ob er nun ein Star sei, beantwortet Ronny Kockel eher zurückhaltend. Andererseits: So einen Rummel wie bei seiner Vorstellung Ende November hat der Torhüter noch bei keinem anderen Klub erlebt. Eigens für ihn wurde eine Pressekonferenz abgehalten, der Vereinspräsident sprach wärmste Worte, später gab es Bilder davon im Fernsehen zu sehen, auch die zehn täglich erscheinenden Fußballzeitungen berichteten ausführlich von der Ankunft des Torhüters aus Deutschland. Selbst wenn man den 31-Jährigen, der einst für die Stuttgarter Kickers, Arminia Bielefeld und Eintracht Trier spielte, dafür noch nicht Star nennen kann, eine kleine Berühmtheit ist er jetzt allemal, nämlich: der erste deutsche Fußballprofi im Iran.



Auch ein Abenteuer: Ronny Kockel spielt in Teheran ProfifußballDabei hat der Keeper aus dem badischen Bietigheim noch nicht eine Pflichtspielpartie für Paykan Teheran, den kleinsten der drei Erstligavereine der Hauptstadt, absolviert. Die Spielgenehmigung kommt erst im Januar. Wann und gegen welchen Gegner er dann im Tor stehen wird, weiß Kockel noch nicht, der iranische Verband, sagt er, plane für seine 18er-Liga eher kurzfristig. In einem anderen Punkt ist sich der 31-Jährige da schon sicherer: "Die Erwartungen an mich sind hoch." Zum einen genieße der deutsche Fußball im Iran einen hohen Stellenwert. Zum anderen sei der Verein, der dem größten Automobilhersteller des Landes, Iran Khodro, gehört, finanziell an seine Grenzen gegangen, um ihn zu verpflichten.


Angebot schien zu gefährlich

Dabei schien im die Sache noch im Sommer, als das erste Angebot ins Haus geflattert kam, nicht geheuer - und allemal zu gefährlich. Erst beim zweiten Anlauf, ein paar Monate später, prüfte er die Offerte näher, auch weil Rainer Zobel, der Trainer bei Persepolis Teheran war und den Kockel aus seiner Zeit bei den Stuttgarter Kickers kannte, ihm zuriet. Mitte November flog er für eine Woche nach Teheran. Was er sah, reichte aus, um seine Vorbehalte wegzuwischen: "Teheran ist eine moderne Stadt, nur eben anders als europäische Städte." Ende November unterschrieb er, zunächst bis nächsten Sommer.

Seine neue Mannschaft, derzeit Sechster der ersten iranischen Liga, beschreibt Kockel als technisch stark. Den Rest versucht Kockel so gut es geht auszublenden. "Von Politik kriege ich gar nichts mit", sagt er. Dass Amnesty International in seinem Jahresbericht 2007 von mindestens 177 Hinrichtungen im Iran ausgeht, ist dem 31-Jährigen zwar bekannt. "Ich bin dort nicht als Botschafter angestellt, sondern als Fußballer", stellt er derweil nur fest. Mehr will er dazu nicht sagen.

Kritik an Paykan ist nicht vorgesehen. Eine Klausel verbietet Kockel negative Äußerungen über Verein, Trainer und Mannschaft. "Wenn man in einem anderen Land spielt, muss man sich eben anpassen. Ich habe damit kein Problem", sagt der Keeper. Um Missverständnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen, gibt er Interviews nur mit Dolmetscher und vor Zeugen.

Dass andere Länder andere Sitten mit sich bringen, spürt Kockel, wenn die Mannschaftskameraden ihre Gebetsteppiche ausrollen. Befremdlicher wirkt die Geschlechtertrennung auf den Torhüter, das Prinzip zieht sich durchs ganze Leben, auch im Sport: Männer gehen zum Männer-, die Frauen zum Frauensport. Dass die Frauen auch dabei verschleiert sind, versteht sich von selbst.

Vor allem für Kockels Lebensgefährtin könnte das ein Problem mit sich bringen. Maike März ist Torhüterin in der Handballbundesliga bei den Trierer Miezen. Paykan-Präsident Mostafa Karchane hat auch ihr gleich ein Angebot fürs vereinseigene Frauen-Handballteam unterbreitet.

http://www.ftd.de/sport/:Der%20Fu%DFbal ... 98098.html
Antworten