Für Borussia Dortmund bricht mit Beginn der Rückrunde eine neue Zeitrechnung an.
Nach glamourösen Jahren im Kreis
der internationalen und nationalen Elite ist der Revierclub zu einer
Kurskorrektur gezwungen. Seit Weihnachten verging kaum ein Tag ohne
neue Schlagzeilen über die Finanzlage des wankenden Branchenriesen.
«Die Hybris des deutschen Fußballs ist in Dortmund zu besichtigen»,
schreibt die «Zeit» in ihrer neuen Ausgabe. Und für den «Spiegel»
erfolgt beim Revierderby am Freitag gegen den FC Schalke 04 in
Dortmund der «Abpfiff für die fetten Jahre».
Mit nur mäßigem Erfolg bemühte sich die Vereinspitze zuletzt um
eine Imagekorrektur. Berichte über den angeblichen Sanierungsfall
erzielten mehr öffentliche Wirkung als die zahlreichen Widerrufe von
Gerd Niebaum. Doch wie auch immer der BVB-Chef die Lage zu
drehen und wenden versuchte, eine Botschaft war eindeutig:
Das von Wachstums-
Träumen getragene Geschäftsmodell, dass dem Club immerhin den
Weltpokal, den Triumph in der Champions League (beides 1997) und drei
Meistertitel (1995/1996/2002) einbrachte, ist passé. «Ich sage offen,
dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Das Jahr ohne Champions
League wird Brems- und Schleifspuren hinterlassen», sagte der Jurist.
Nach einer Studie der Hypovereinsbank droht der Borussia für das
laufende Geschäftsjahr ein Verlust von 44,8 Millionen Euro. Der
Abschied von Ballkünstlern wie Tomas Rosicky ist deshalb nur noch
eine Frage der Zeit. Stattdessen müssen die über Jahre verwöhnten
BVB-Fans künftig mit Nachwuchsspielern wie Salvatore Gambino vorlieb
nehmen. Freimütig räumte Michael Meier in einem Interview mit der
«Süddeutschen Zeitung» (Mittwoch-Ausgabe) Fehler ein: «Wir haben zu
einem falschen Zeitpunkt hoch in den Kader investiert, von dem heute
alle Schlaumeier wissen, wir inklusive, dass es der falsche Zeitpunkt
war. Seit der Kirch-Pleite müssen wir sagen: Das holt uns jetzt ein.»
Den in diesem Interview entstandenen Eindruck, wonach selbst die
Finanzierung der laufenden Saison nur «mit zusätzlichen Effekten wie
etwa Transfererlösen oder zusätzlichen Marketingerträgen» zu schaffen
sei, veranlasste Meier flugs zu einem Dementi: «Die verkürzte Form
gibt meine Aussagen unzureichend wieder. Zusätzliche Maßnahmen im
Marketing und Transferbereich werden für die Finanzierung der Saison
2004/2005 angestrebt.»
Eine Atempause könnte sich der Verein durch eine Anleihe
verschaffen. Wie der Londoner Finanzmakler Stephen Schechter in der
«Zeit» bestätigte, steht eine Summe von 100 Millionen Euro für die
Borussia inzwischen bereit. Mit der Unterschrift unter diesen Vertrag
würde sich der BVB zwar frisches Kapital verschaffen, müsste aber
einen Teil seiner Einnahmen als Sicherheit für die Geldgeber
verpfänden. Noch wird das Angebot in Dortmund geprüft. Doch Niebaum
scheint weitere Risiken zu scheuen: «Ich stehe der Anleihe skeptisch
gegenüber», sagte er.
Unabhängig davon, wie sich der BVB in dieser Frage entscheidet,
sind die rigorosen Sparmaßnahmen in Dortmund längst beschlossene
Sache. Hämische Kommentare von Ligakonkurrenten bleiben dennoch aus:
Angesichts schwindender Fernseh- und Transfereinnahmen ist die
Goldgräberstimmung vergangener Jahre längst Geschichte. Aus Sorge um
die Zukunft des Profifußballs fordert auch Karl-Heinz Rummenigge eine
Kehrtwende. Gleichwohl will der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern
München die jüngsten Schlagzeilen über den einstigen Hauptrivalen
nicht überbewerten: «Die Probleme, die Borussia Dortmund hat, sind im
internationalen Vergleich nicht dramatisch.»
Selbst Rudi Assauer, Manager vom Erzrivalen Schalke 04, hielt sich
vor dem anstehenden Duell beider Teams mit Kritik zurück: «Ich hoffe,
dass der BVB auch in Zukunft eine schlagkräftige Mannschaft stellt.
Wir brauchen weiterhin mindestens zwei starke Vereine im Revier.»
Quelle: dpa
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Musste ja so kommen...