Für den Weltrekord 660 Minuten gekickt
Von Barbara Barth
Wow, Weltrekord in Weinsberg! Viele stramme Männerwaden treten, stoppen, schlenzen, schießen den ganzen Samstag über einen Fußball. Am Ende haben sie's geschafft: Elf Stunden pausenlos gespielt für den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Möglich ist das Spektakel im Hagebaumarkt, weil sich zwölf ehemalige Bundesliga-Profis bereit erklärten, gegen 37 Hobby-, Vereins- und Fanmannschaften nonstop anzutreten. Immer vier gegen vier - drei Feldspieler, ein Torhüter, jeweils fünf Minuten. Und das 132 Mal. Bis der Rekord im Dauerfußball abends um 21 Uhr endgültig steht.
Anstrengend ist das Ganze und nicht ungefährlich. Der Boden in der Baustoffhalle des Hagebaumarkts ist gefliest, also bockelhart und nicht schwingend. Deshalb stehen auch sechs angehende Physiotherapeuten bereit, um die Waden und Oberschenkel immer wieder zu massieren. Torhüter Bernd Klaus von den Stuttgarter Kickers lässt gleich zwei junge Damen mit ihren sensiblen Händen an seine strapazierten Muskeln: " Nach einer halben Stunde brauchst Du das.
"Armin Eck, früher Bayern München, Hamburger SV und Arminia Bielefeld, zuletzt Trainer in Bayreuth, sinkt atemlos auf eine Liege hinter dem 15 mal 21 Meter großen Netzkäfig, in dem sich alles abspielt. Handtuch, Magnesium, eine Banane - die kurze Pause bis zum nächsten fliegenden Wechsel will genutzt sein. Dabei bringen sie alle noch viel Fitness mit. Und blindes Verstehen. Das merken die zumeist jungen Spieler der gegnerischen Mannschaften schnell. "Wir kennen uns alle aus der Bundesliga", sagt Eck.
Das Ballgefühl und die technische Raffinesse haben die "Alten" nicht verlernt. Der Ball knallt gegen die Holzbande, bohrt sich wie ein Geschoss in das Netz, sodass die dahinter stehenden Zuschauer ruckartig den Kopf einziehen. Während vorne im Baumarkt Fußbodenleisten und Waschbecken ausgesucht werden, ist hinten die Mischung aus Sport und Unterhaltung mit Livemusik im vollem Gange.
Die Zuschauer sind voll dabei. "Das ist doch der....?" Klar, der Bernd Hobsch von Werner Bremen. Und da, ist das nicht der Dieter Eckstein, einst A-Nationalspieler und bei Schalke und Frankfurt? Ist er. Nur eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen sie, Fahrtkosten und so, sagt er. Ansonsten spielen sie für die Aktion "Menschen in Not" und den Weltrekord.
Sich und anderen beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen zählen - das ist die Strapaze wert. Und ganz nebenbei: Ihre interne Wette haben sie auch gewonnen. Nicht mehr als 20 Spiele wollten sie gegen die Amateure verlieren. Es wurden nur elf, 17 Mal hieß es unentschieden. Das Torverhältnis lautete übrigens 413 : 171 für die Profis.