aus der Waiblinger Kreiszeitung von heute:
Früher Juventus Turin, heute SV Breuningsweiler
500 000 Mark! So viel war Fabio Alderucci vor 18 Jahren wert. Juventus Turin wollte ihn haben, er trat im Fernsehen auf. Heute kickt er in der Kreisliga beim SV Breuningsweiler. Gescheitert, gefrustet? Der 30-Jährige macht ganz und gar nicht den Eindruck. Auch wenn sich sein Traum nicht erfüllte, die Erlebnisse von damals nimmt ihm niemand.
„Das war schon heftig“, sagt er. Bild-Zeitung, Gazzetta dello Sport, die Lokalzeitung, das Aktuelle Sportstudio, Treffen mit Diego Maradona - die Eltern mussten irgendwann auf die Bremse treten. Immerhin war Fabio erst zwölf und kickte in der D-Jugend der Stuttgarter Kickers. Und in der Schule, „na ja, ich hab sie ein bisschen vernachlässigt“.
Losgetreten hatte die Lawine die Bild-Zeitung. Alderucci hatte in der E-Jugend der Stuttgarter Kickers 216 Tore erzielt und damit, so meldete Bild, den Torrekord von Franz Beckenbauer (198 Tore) überboten. Plötzlich stand der kleine Weinstädter im Mittelpunkt. „Das hat sich über die Medien verbreitet“, sagt Alderucci. Die Gazzetta dello Sport berichtete, in der Fernsehshow „Tele-As“ durfte der kleine Fabio gegen Beckenbauer im Torwandschießen antreten (und verlor mit 2:3). Und schließlich kam ein Anruf der Nudelfirma Barilla: „Die wollten mich für einen Werbespot.“
Also setzten sich Fabio und Vater Paolo ins Auto, düsten nach Rom und von dort zum Drehort Bari. „Fünf Tage haben wir gedreht - für 30 Sekunden.“ Noch heute ist der Spot im Internet zu sehen (
www.youtube.com, stichwort barilla 1990).
Und plötzlich war er 500 000 Mark wert
In Deutschland kickte Fabio mittlerweile in der Kickers-D-Jugend und wurde von einem Spion von Juventus Turin entdeckt. „Die haben angerufen und gefragt, ob ich mal vorbeikommen will.“ Wieder ging’s mit Vater Paolo über die Alpen. Fabio trainierte mit der Juve-D-Jugend und bekam ein Angebot: Wenn er möchte, dürfe er zu Juve kommen. „Über Geld wurde nicht gesprochen. Außerdem war vereinbart, die Medien rauszulassen.“ Zwei Tage später stand in der Gazzetta dello Sport: Fabio Alderucci wechselt für 500000 Mark zu Juve.
Geworden ist daraus nichts. „Ich wäre mir dort fremd vorgekommen“, sagt Alderucci heute. Wäre er 15 oder 16 gewesen, dann vielleicht. So aber blieb er in der gewohnten Umgebung, schoss weiter Tore für die Kickers. Juve hielt noch „drei, vier Jahre“ Kontakt, dann verlor sich das Interesse.
Alderucci aber war auch in Deutschland auf dem Weg zum Profifußballer. Er spielte bei den Kickers Amateuren in der Verbandsliga, als ihn Profitrainer Wolfgang Wolf mit ins Trainingslager nahm. Einige Male trainierte er auch danach noch mit der Bundesliga-Mannschaft, dann riss er sich das Kreuzband. Der Anfang vom Ende des Profitraums.
Als die Verletzung überwunden war, probierte es Alderucci beim Landesligisten SC Urbach. Nach zwei Monaten riss das gleiche Kreuzband noch einmal. „Die Ärzte haben mir dann gesagt, ich soll aufhören, Fußball zu spielen.“
Er hörte auf den Rat, bis ihn in der Rückrunde der vergangenen Saison Inter Großheppach bat auszuhelfen. „Verwandte von mir haben den Verein gegründet.“ So kickte der Fast-Juve-Spieler in der untersten deutschen Spielklasse.
Ein Abstieg sondergleichen? Die große Chance verpasst, Fußballstar zu werden? Alderucci lacht. „Ich habe nie so weit gedacht. Und jetzt muss ich mich damit abfinden. Es gibt auch andere schöne Dinge.“
Zufrieden sieht er aus, auch wenn ihn damals eines schmerzte: „Nicht mehr Fußball zu spielen, damit habe ich mich erst abfinden müssen. Ich habe Fußball gelebt.“
Deshalb ist er auch wieder eingestiegen. Obwohl er nach den schweren Verletzungen „die Blockade im Kopf“ spürt und aus beruflichen (und körperlichen) Gründen nicht öfter als zweimal in der Woche trainieren kann. Beim SV Breuningsweiler aber ist ihm das Verletzungspech treu geblieben. Muskelfaserriss nach zwei Spielen. „Da habe ich mir schon überlegt, wieder aufzuhören.“
Aber einmal noch will er es probieren. Danach ist immer noch Zeit, die Kiste mit den Erinnerungen auszupacken: die Videos von Fernsehauftritten, die Zeitungsartikel mit seinem Namen in der Überschrift, die Treffen mit Klinsmann, Beckenbauer und Maradona. Anekdoten aus der Zeit, als Deutschlands Torjäger Nummer eins Fabio Alderucci hieß