stoitschkov hat geschrieben:0711 reitet mal wieder sein Steckenpferd und stellt Thesen in den Raum, die (zum Glück!) in den nächsten Jahren nicht überprüft werden können.
Dabei blendet er konsequent aus, dass 1. der VfB ein über Jahre gewachsenes Stammpublikum hat, das zwar gerne auch mal wegbleibt, den Verein aber trotzdem aufmerksam verfolgt. Du kannst ja mal eine Radtour im Welzheimer Wald oder auf der Ostalb machen, im Normalfall wirst Du an mindestens einem Haus vorbeikommen, wo ein Dubbel eine VfB-Fahne gehisst hat.
Und 2. dass man Berlin, München, Hamburg und Frankfurt schon nicht miteineinander vergleichen kann und das Ganze noch abstruser wird, wenn am Hoffenheim und Augsburg und...mit in diesen Topf wirft. Hoffenheim deckt die Rhein-Neckar Region ab, wie es nobles schon beschrieben hat, in Augsburg gibt es eine sehr starke Identifikation mit der Stadt.
Union und St.Pauli sind eigenständige Stadtteilklubs, die nur sehr überschaubar Zulauf aus dem Umland erhalten. Bei St.Pauli hat letzte Woche der AR den Vorstand zum November abberufen, auch weil man in den nächsten Jahren eine noch stärkere Kommerzialisierung befürchtet und sich vom neuen Vorstand eine Stärkung der eigenen Identität (in der "Kultklub-Nische")erhofft.
Die Kickers sind seit Ewigkeiten die Nr.2 in Stuttgart und sollten froh sein wenn man nach dem Umbau der HT sukzessive vielleicht 300-400 Zuschauer pro Saison dazugewinnen kann. Was möglich wäre wenn der Verein durch ein sportliches Wunder in die BL gelangen würde, wissen wir alle nicht . Käme auch stark auf die "Story" an, mit der ein Aufstieg unweigerlich verbunden ist, siehe auch z.B Mainz oder Freiburg. Oder warum hat z.B. heidenheim mehr Zuschauer als Aalen und wird das auf absehbare Zeit sogar noch ausbauen??
Ich weiß natürlich, dass ich 0711 nicht überzeugen kann, aber zu unseren Lebzeiten werden keine Kickers-Fahnen auf der Ostalb gesichtet werden, das wage ich mal zu behaupten.
Puuuh, könnte man jetzt ins Endlose treiben, was ich an dieser Stelle nicht tun möchte. Aber bei ein paar Punkten brennt's dann doch unter den Nägeln:
1. Was hat die Ostalb mit der Region Stuttgart zu tun? Sicherlich wohnen auch da ein paar Blaue, aber ein echtes Einzugsgebiet war die Ostalb nie und wird sie wohl auch nie werden.
2. Heidenheim hat mehr Zuschauer als Aalen, weil die den ganzen Ulmer Raum abgreifen, wo der SSV Ulm nach der dritten Insolvenz in 13 Jahren seinen letzten Meter Boden verloren hat. Zur Ostalb hingegen haben die Ulmer ebenso wenig Bezug wie die Stuttgarter.
3. Zufälligerweise habe ich das vorletzte Wochenende mit einer Galionsfigur der Fanszene von St. Pauli verbracht und wir haben dabei auch viel über den FCSP gesprochen. Er sagt: Am Millerntor kommt kaum noch jemand aus dem Viertel und bei Auswärtsspielen stehen allenfalls zu 50% Leute aus Hamburg & Umgebung im Gästeblock. Soweit ich weiß kommen auch die Union-Fans längst nicht nur aus Köpenick, sondern aus ganz Berlin und zu einem guten Teil auch aus Brandenburg. Im deutschen Profifußball gibt es keine Stadtteilvereine und auch längst keine Stadtvereine mehr.
4. Ich habe Hoffenheim und Augsburg nicht mit München und Berlin verglichen. Ich einerseits geschrieben, dass Hoffenheim und Augsburg Beispiele dafür sind, dass Vereine, die vor 10 Jahren noch vor 2.000 Zuschauern in der Regionalliga gespielt haben, ihre Zuschauerzahlen durch den Bundesligaaufstieg mehr als verzehnfachen konnten. Wenn solche Vereine, die bis vor Kurzem praktisch keine Fanbasis hatten, heute einen Zuschauerschnitt von roundabout 30.000 haben, dann zeigt das, dass auch wir in der Bundesliga nicht mehr vor nur 25.000 Zuschauern gegen Bayern spielen würden wie vor 25 Jahren und man die Zeiten daher nicht miteinander vergleichen kann. Fußball ist inbesondere durch die WM 2006 zum Event in Deutschland geworden. Das kann übrigens überprüft werden, denn die einzelnen Zuschauerzahlen kann man ja im Internet nachschlagen.
München und Berlin habe ich wiederum als Beispiele dafür genannt, dass bei einem Bundesligisten die Fans längst nicht mehr nur aus der Stadt kommen und es daher keinen Unterschied macht, ob sich Vereine nun eine Stadt oder aber eine ganze Region teilen müssen. Also bitte nicht zwei verschiedene Dinge in einen Topf werfen.