München - 186 Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft, keine Woche vor der Gruppen-Auslosung in Leipzig, gibt Fußball-Deutschland wahrlich kein gutes Bild ab.
In Hamburg gab es die hässlichste Szene des Wochenendes: Einige Auswärts-"Fans" des 1. FC Köln warfen mit Gegenständen auf die vor ihrer Kurve jubelnden HSV-Profis und trafen Mittelfeldspieler Alexander Laas mit einem Trommelstock an der Stirn. Stark blutend sank der 21-Jährige zu Boden, noch am Spielfeldrand wurde die Wunde geklebt.
"Jeden Morgen steht ein Dummer auf"
"Jeden Morgen steht ein Dummer auf, der eine gesamte Gruppe in Verruf bringt", wetterte Kölns Trainer Uwe Rapolder zurecht. Nicht nur für Hamburgs Sergej Barbarez wirft der Vorfall ein schlechtes Licht auf WM-Gastgeber Deutschland. "Drei Jungs von uns haben was auf den Kopf bekommen, einer hat geblutet. Solche Sachen sollten nicht in einem Stadion passieren, besonders nicht vor einer WM. Man sollte sich Gedanken machen", erklärte der Bosnier.
Rettig entschuldigt sich
"Ich muss mich in aller Form bei Alex Laas entschuldigen - auch wenn so etwas eigentlich nicht entschuldbar ist", sagte Kölns Manager Andreas Rettig. Für den FC und besonders den Täter, der sich inzwischen bei Kölns Fanbeauftragten gemeldet hat, wird der hässliche Zwischenfall auf jeden Fall Konsequenzen haben. Der Kontrollausschuss nimmt am Montag seine Ermittlungen aufgrund der Vorkommnisse auf.
In Gladbach passierte Ähnliches. Der verletzt am Boden liegende Club-Stürmer Stefan Kießling wurde ebenfalls mit Gegenständen aus dem gegnerischen Block beworfen. Zum Glück passierte ihm nichts.
Niersbach sieht WM nicht gefährdet
Die unschönen Vorfälle werfen die Frage auf: Ist bei der WM mit Ähnlichem zu rechnen oder ist die WM gar gefährdet? WM-OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach wiegelte im DSF-Doppelpass ab: "Solche Einzelfälle wird man nie ganz ausschließen können. Aber wir sollten jetzt nicht in Panik verfallen. Wir fühlen uns in keinster Weise verunsichert." Leverkusens Ex-Manager und WM-Botschafter Reiner Calmund pflichtete Niersbach bei: "Das deutsche Publikum ist vorbildlich, genauso wie Stadien und Sicherheitskonzepte. Idioten gibt es überall, diese Einzelfälle sind nicht hundertprozentig zu vermeiden. Die WM ist dadurch aber nicht gefährdet - das wäre überzogen."
Todesfall in Stuttgart
Den negativen Höhepunkt eines schwarzen Wochenendes für den deutschen Fußball gab es am Rande des Spiels zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern zu berichten. Ein Schmählied über den VfB hat den 32 Jahre alten Tischler Hubert L. aus Lauchheim in Baden-Württemberg offenbar das Leben gekostet. "Bei dem Vorfall wurde am Freitagabend ein Mann niedergestochen, der daraufhin verstarb", bestätigte der Sprecher der Polizeidirektion Aalen, Hans-Joachim Hug, einen Bericht der "Bild am Sonntag".
Messerstecherei vor Jugendtreff
Hubert L. hatte in der Nacht zum Samstag in einem Jugendtreff gefeiert. Als er ein Schmählied über den VfB singend, von der Toilette kam, zettelte Patrick S. nach BamS-Informationen eine Rangelei an, die vor dem Jugendtreff mit einem tödlichen Messerstich endete. Hubert L. verstarb wenige Stunden später am Samstag gegen 6 Uhr in der Ostalb-Klinik.
Spielabsage wegen Sicherheitsbedenken
Angesichts dessen rückt die Spielabsage der Partie Kaiserslautern gegen Frankfurt wegen "baulicher Sicherheitsbedenken" fast schon in den Hintergrund. Doch: Es ist nicht die erste Panne in einem der zwölf WM-Stadien. In Kaiserslautern verletzte im vergangenen Jahr ein vom Wind los gelöstes Teil der Dachkonstruktion einen Ordner.
Auch Probleme in anderen Stadien
In Frankfurt gab es mehrfach Probleme mit dem Dach, in Nürnberg musste mit Schwingungsdämpfern nachgerüstet werden, weil die Statik Probleme machte - und nun werden aus dem Fritz-Walter-Stadion Risse in einem Teil der Tribüne gemeldet. Um keine Menschenleben zu gefährden, wurde das Bundesligaspiel am Samstag abgesagt. FCK-Boss Rene Jäggi versprach die Mängel schnellstmöglich zu beseitigen. Bleibt zu hoffen, dass aus diesem Wochenende die richtigen Schlüsse und Konsequenzen gezogen werden - in und vor den Stadien.
Michael Gerhäußer


